21.07.2014

So schön können Schmerzen sein

„Unglaublich“. Mehr fällt Felix Walchshöfer, normalerweise Rennleiter des DATEV Challenge Roth, im ersten Moment im Zieltor nicht ein. Dabei ist der 34-Jährige normalerweise um Worte nicht verlegen. An diesem Sonntag ist alles ein bisschen anders. Der Rennleiter hat zum 30. Geburtstag des Rother Langdistanz-Triathlons die Seiten gewechselt, um selbst an den Start zu gehen – und zu finishen!


Vertauschte Rollen. Früher war Felix Walchshöfer beim Triathlon in Roth. Diesmal trugen die Tria-Urgesteine Nicole und Lothar Leder, Jürgen Zäck, Belinda Granger und Andreas Niedrig die Ballons hinter dem jetzigen Roth-Finisher her. Fotos: TEAMCHALLENGE, Christoph Raithel

Die Uhr blieb bei 14:04:12 Stunden stehen. Es war ein langer Tag, der für Walchshöfer kürzer hätte ausfallen können. Wenn er gewollt hätte. Hat er aber nicht! Vielmehr fand er, dass gerade dieses Jubiläumsrennen gerade gut genug war, um einmal „Danke“ zu sagen. Auf durch und durch sportliche Art: An die große „Triathon-Familie“ im Landkreis Roth, für die der Triathlon zur Herzensangelegenheit geworden ist.

Also nahm sich Felix Walchshöfer die Zeit, die er brauchte, um neben Schwimmen, Radfahren und Marathonlaufen immer wieder mal einen kleinen Ratsch mit den Helfern zu halten, Wettkampfrichtern anerkennend auf die Schulter zu klopfen, buchstäblich „laufend“ und lachend Interviews zu geben und mit dem Publikum zu scherzen. Trotz der schwül-warmen Temperaturen, trotz schmerzender Beine.

Davon wollte der DATEV Challenge Roth Rennleiter, der diesen Job in diesem Jahr seiner Schwester Kathrin anvertraut hatte, gar nicht reden. Viel lieber gab er nach dem Zieleinlauf den vielen fragenden Journalisten zu Protokoll, dass der Tag einfach nur „unglaublich“ gewesen sei und die vielen, vielen Helfer schlichtweg „ein Hammer“ seien.

Doch kamen auch nachdenkliche Worte. Denn für Felix Walchshöfer war der DATEV Challenge Roth 2014 auch eine Verbeugung vor seinem 2007 verstorbenen Vater Herbert Walchshöfer, dem Initiator und Ideengeber des „Challenge Roth“. Darum auch die Startnummer 2105 in Erinnerung an das Geburtsdatum seines Vaters.

Das Publikum bedankte sich seinerseits bei „seinem“ Rennleiter. Lautstark wurde der 34-Jährige ins Stadion herein gerufen und hinter der Finishline gefeiert. Er, der selbst als Ballonkind seine Triathlon-Karriere begonnen hatte, bekam im Zielkanal ganz besonderen „Geleitschutz“. Das Ehepaar Nicole und Lothar Leder, Publikums-Liebling Belinda Granger, Andreas Niedrig und Tria-Urgestein Jürgen Zäck liefen samt Ballons mit ihrem Schützling ein.

Dieser gönnte sich keine lange Auszeit, sondern stand wenig später bei der Finishline-Party erneut im Zielraum, um die letzten seiner Weggenossen noch mit in Empfang zu nehmen. Und um mit den tausenden von Triathlon-Fans dieses Geburtstagsfestival so ausklingen zu lassen, wie es andernorts vielleicht ungewöhnlich, in Roth aber (fast) normal ist: mit ganz viel Herz und Gefühl.

Ein glücklicher Finisher mit einer glücklichen Familie. Felix Walchshöfer mit Mutter Alice und Schwester Kathrin. Foto: TEAMCHALLENGE, C. Raithel

« Mirinda Carfrae schnellste Frau in Roth Mit 83 Jahren noch lange kein „altes Eisen“ »