21.07.2014

Finisher feiern sich

Es war wohl das härteste Rennen, dass es in 30 Jahren Triathlon in Roth gegeben hat – Hitze, Wind, Regen, Bedingungen, die den Athletinnen und Athleten alles abverlangt hat.
Daher konnten sich alles Teilnehmer am Montag selbst bei der Siegerehrung feiern.
Hier standen die besten Staffeln, die Altersklassensieger und die Top 10 Frauen und Männer im Mittelpunkt.
Und besonders konnten sich zwei Starter feiern, für die das gestrige Rennen wohl noch etwas außergewöhnlicher war als für die anderen mehr als 5.000 Teilnehmer.

Noch bevor die eigentliche Siegerehrung im Rother Triathlonpark begann, brandete spontaner Applaus auf und es zeigte sich, dass man im Triathlonsport selbst dann ein Held sein kann, wenn man es nicht mehr aus eigenen Kräften bis Finish Line geschafft hat.
Am Montagvormittag gab es Standing Ovations für die 83 jährige Sister Madonna Buder. Sie wollte mit einem Finish in Roth ins Guinness Buch der Rekorde kommen. Bei Laufkilometer 17 jedoch war ihr Rennen zu Ende. Den Weltrekord hat die begeisternde Sportlerin nicht erreicht, dafür aber die Herzen von Athleten und Zuschauer umsomehr.

Der Zweite, für den dieses Rennen ein ganz Besonderes war, heißt Felix Walchshöfer, Geschäftsführer von TEAMCHALLENGE und der eigentliche Rennleiter des DATEV Challenge Roth. Er startete mit der Startnummer 2105, dem Geburtsdatum seines verstorbenen Vaters, der die Marke Challenge begründete.
Für den zweimaligen Finisher des Challenge Wanaka war sein eigenes Rennen „verdammt hart“, doch hatte er von vielen Teilnehmern Unterstützung bekommen. Insbesondere beim Laufen sei ihm das immer wieder Motivation gewesen. Drei ganz besondere Höhepunkte hatte sein Renntag, die er bei der Siegerehrung teilen wollte:
Zum einen sei es schon Wahnsinn, „den Solarer Berg mit dem Motorrad hinauffahren zu können [...], als Triathlet auf dem Rennrad aber ein absolut unvergleichliches Hochgefühl und mit Nichts zu vergleichen.“
Desweiteren konnte Felix Walchshöfer den Rennleiter in sich aber nicht ruhen lassen, denn als er mitbekam, dass in der Versorgungsstelle Eysölden das Wasser auszugehen drohte, kontaktierte er Feuerwehr und Organisationsteam. Keine zehn Minuten später holten Bauern mit Traktoren und Fässern Trinkwasser für die hitzegeplagten Sportler.
Und dann war da noch Raik, ein Athlet, der nach seinem Finish seiner Freundin Christine im Zielstadium einen Heiratsantrag machte. Noch am gleichen Abend gab sich das Paar im Rother Rathaus das Ja-Wort. Felix traf das Paar, direkt vor der Trauung am Rathaus, das direkt an der Laufstrecke durch die Altstadt führt.

Den Part der Rennleitung übernahm in diesem Jahr Kathrin Walchshöfer von ihrem Bruder. Sie bedankte sich bei den Athletinnen und Athleten für einen fairen Wettkampf. Beispielsweise mussten in diesem Jahr nur rund halb so viele Zeitstrafen gegeben werden wie noch im Vorjahr.
Stellvertretend für die rund 5.700 freiwilligen Helfer zollte Kathrin Walchshöfer dem Sanitätsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes ihren Respekt. Aufgrund der extremen Bedingungen hatten die Ehrenamtlichen alle Hände voll zu tun, so dass vorsorglich  zusätzliche Versorgungsplätze im Roth-Kreuz-Haus eingerichtet und zusätzliche Transportkomponenten aus Nürnberg aktiviert wurden.

In zwei Wertungen (DATEV Challenge Roth und Deutsche Meisterschaft) gab es dann Pokale und Medaillen für die einzelnen Altersklassen, bevor die Top 10 Damen und Herren das Podium betraten. Mit ihren Nationalhymnen wurden Mirinda Carfrae und Timo Bracht, die beiden Sieger des DATEV Challenge Roth 2014 gewürdigt.
„Es war ein verdammt hartes Rennen“ für Mirinda Carfrae in einem Feld, bei dem die weltbesten Frauen am Start sind. Für sie als „Roth Rookie“ war es ein fantastischer Wettkampf mit einem phänomenalen Zielstadium. Sie komme auf alle Fälle wieder.
Für Timo Bracht ist eines klar: „Dinge, die man anfängt, muss man zu Ende bringen!“ Ganz bewusst habe er sich am Morgen dafür entschieden, das Finisher Shirt überzustreifen. Triathlon sein ein wunderbarer, fairer Sport. Auf dem Weg zu seinem Sieg feuerten ihn auf der Laufstrecke sogar die später dritt- und fünftplatzierten Eneko Llanos und James Cunnama an. Es sei ein unglaubliches Rennen gewesen mit der weltbesten Finish Line.

Timo Bracht, Sister Madonna Buder, Mirinda Carfrae und Felix Walchshöfer (v.l.n.r.)
TEAMCHALLENGE, Christoph Raithel

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