23.05.2012

Der DTU-Präsident im Gespräch

Sehr geehrter Herr Dr. Engelhardt, zum ersten Mal in der Geschichte des Challenge Roth werden dort in diesem Jahr die Offiziellen Triathlon-Europameisterschaften der ETU in der Langdistanz ausgetragen, vier Wochen vorher findet die „Generalprobe“ in der Halbdistanz beim Challenge Kraichgau statt. Wie kam es zu dieser Vergabe-Entscheidung, und welchen Anteil hatten Sie als DTU-Präsident daran?

 

Dr. Martin Engelhardt: Die Vergabe der Triathlon-Europameisterschaft Langdistanz nach Roth und Mitteldistanz nach Kraichgau kam durch eine Entscheidung der ETU-Führung zustande. Vorausgegangen waren jedoch Aktivitäten in unserem Verband. Anfang Dezember 2012 haben wir uns zu einer Klausur über die weitere Entwicklung im internationalen Triathlongeschehen zusammengefunden. An der Sitzung nahmen einige Vertreter aus dem DTU-Präsidium, dem im internationalen Bereich tätigen Medien, ehemalige Funktionsträger der DTU in internationalen Gremien sowie Vertreter von Triathlonveranstaltungen (u.a. auch Felix Walchshöfer) teil. Unser primäres Ziel war es, die Deutsche Triathlon Union als verlässlichen Partner für die Weiterentwicklung des Triathlonsports auf internationaler Ebene wieder stärker einzubringen. Zunächst ging es darum, verloren gegangenes Vertrauen bei den Entscheidungsträgern im internationalen Triathlonbereich zurückzugewinnen. Felix Walchshöfer hat mit seinen guten Kontakten zum spanischen Triathlonverband ganz wesentlich dazu beigetragen, dass diese erste Zielsetzung schnell realisiert werden konnte. Auch gab es eine sehr gute Unterstützung durch den IOC-Vizepräsidenten Dr. Thomas Bach, der uns als Freund des Triathlonsports dabei unterstützt hat. Die Vergabe-Entscheidung nach Deutschland ist letztlich der Verdienst eines gemeinschaftlichen Handelns etlicher Personen aus der Deutschen Triathlon Union. Die Situation der Europäischen Triathlon Union machte allen führenden Triathlon-Nationen in Europa und auch der International Triathlon Union Sorgen, so dass wir uns überlegten, wie wir einerseits die Europäische Triathlon Union stützen und andererseits insgesamt positive Akzente für die Entwicklung des Triathlonsports geben könnten.

 

 

Was versprechen Sie sich von der EM für die Zukunft des deutschen und europäischen Triathlonsports in der Heimat des europäischen Triathlons, welche Signale gehen davon aus?

 

Dr. Martin Engelhardt: Erfolgreich organisierte Europameisterschaften über die Mitteldistanz im Rahmen des Challenge Kraichgau und über die Langdistanz beim Challenge Roth stellen für die Europäische Triathlon Union eine enorme öffentlichkeitswirksame Werbung dar. Mit der Beteiligung der Leistungsträger auf diesen Distanzen wird auch die Bedeutung/der Wert des Titels Triathlon-Europameister erheblich gesteigert. Dies nutzt sowohl dem europäischen als auch dem deutschen Verband und natürlich auch den Veranstaltern in Roth und im Kraichgau. Internationale Meisterschaften sollten auf höchstem organisatorischem Niveau und mit den Topathleten stattfinden. Zugleich muss das besondere Flair unserer Sportart mit Sporttreiben in einer tollen Landschaft und unter Beteiligung begeisterter Zuschauer „herüberkommen“. Als gute Gastgeber sollten wir die Sportlerinnen und Sportler der anderen Nationen empfangen und sowohl unseren eigenen Mitgliedern als auch den Sportlern der anderen Länder zeigen, dass wir noch immer in der Lage sind, für unsere Sportart positive Impulse zu setzen.

 

 

Dr. Martin Engelhardt: "Für unsere Sportart positive Impulse setzen".
Foto: Petko Beier / pebe-sport.de

 

 

In manchen Medien wurde fälschlicherweise darüber berichtet, am 8. Juli würden „gleich zwei Triathlon-Europameisterschaften an einem Tag“ veranstaltet. Bitte helfen Sie, diesen Irrtum aufzuklären.

 

Dr. Martin Engelhardt: Leider finden am 08.07.2012 in Deutschland mehrere Triathlon-Großveranstaltungen statt. Es gibt jedoch nur eine durch die Europäische Triathlon Union sanktionierte Triathlon-Europameisterschaft über die Langdistanz und diese findet in Roth statt. Natürlich gibt es auch Unternehmen, die für sich selbst Meisterschaften ausrufen. Dies trägt für Außenstehende zur Verwirrung bei. Für die Weiterentwicklung unserer Sportart kann es nicht hilfreich sein, wenn wie beispielsweise im Boxsport in einer Gewichtsklasse mehrere Weltmeister existieren. Hier sollte man zukünftig in Gesprächen zu vernünftigen Lösungen kommen.

 

 

Um die Offiziellen Triathlon-Europameisterschaften der ETU nach Roth und ins Kraichgau holen zu können, wurden eigens die bisherigen Wettkampf-Distanzen bei Europameisterschaften geändert. War das eine zukunftsweisende Entscheidung?

 

Dr. Martin Engelhardt: Die historisch klassische Langdistanz im Triathlonsport geht nun einmal über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und den Marathonlauf. Die Strecken in Roth und in Kraichgau sind historisch gewachsene klassische Streckenlängen. Aus meiner Sicht war es klug, die bisherigen Wettkampfdistanzen bei Europameisterschaften zu ändern.

 

 

Ein Start bei der EM ist in diesem Jahr ausnahmsweise auch ohne das Tragen beziehungsweise den Erwerb eines nationalen Wettkampfanzugs möglich. Um die nationale Identität zu stärken, empfehlen Sie aber natürlich, das neue DTU-Nationaltrikot zu tragen, das auch die Elite-Athleten um Olympiasieger Jan Frodeno bei ihren internationalen Auftritten tragen. Das Design ist ja auch wirklich überzeugend. Was kostet denn das offizielle Nationaltrikot und wo kann man es bestellen?

 

Dr. Martin Engelhardt: Aufgrund der kurzfristigen Übernahme der Europameisterschaften mussten alle Seiten Kompromisse eingehen. Mit den jetzt vereinbarten Entscheidungen können sowohl die Verbände als auch die Veranstalter bei den Massenveranstaltungen im Kraichgau und in Roth gut leben. Das offizielle deutsche Nationaltrikot kostet 179 Euro. Das Trikot ist über die Homepage der DTU erhältlich.

 

 

Mit Roth verbindet Sie ja auch eine ganz persönliche Geschichte. Würden Sie sie bitte erzählen?

 

Dr. Martin Engelhardt: Als aktiver Triathlet konnte ich 1986 bei der Deutschen Meisterschaft über die Mitteldistanz und 1987 bei der Europameisterschaft über die Mitteldistanz in Roth an den Start gehen. Das waren tolle Erlebnisse als Sportler, die man sein ganzes Leben nicht vergessen wird. Ich war privat wie viele andere Sportler auch untergebracht und konnte von Carola und Heini Müller eine tolle Gastfreundschaft erleben. Die Menschen der Region haben die Triathletinnen und Triathleten aus Deutschland und Europa so herzlich mit offenen Armen empfangen – das war schon eine einmalige positive Werbung für die Region und für unser gesamtes Land. Die Visionen, die von Detlef Kühnel und seinem Freund Herbert Walchshöfer ausgegangen sind, haben nicht nur die gesamte Region um Roth entscheidend verändert, sondern haben auch die Entwicklung des Deutschen Triathlonsportes maßgeblich beeinflusst. Mit der Organisationsqualität, den Zuschauermassen, der Begeisterungsfähigkeit und der medialen Darstellung der Veranstaltung schaffte es die Randsportart Triathlon sehr schnell zu einer ernst genommenen und anerkannten Sportart zu werden. Schon in den ersten Jahren kam Dr. Thomas Bach persönlich zu der Veranstaltung nach Roth, und es gelang uns gemeinsam, ihn mit dieser Triathlonbegeisterung zu infizieren. Es gipfelte in seiner Aussage, dass für ihn die Triathleten die wahren Könige der Athleten seien. Hinter den Kulissen trug Dr. Bach dann entscheidend dazu bei, dass Triathlon ab dem Jahr 2000 in das Olympische Programm aufgenommen wurde. Gemeinsam nutzten wir die Veranstaltung in Roth, um Entscheidungsträger innerhalb unserer Gesellschaft von unserer Sportart Triathlon zu überzeugen. Nicht vergessen wollen wir auch, dass im Schloss Ratibor die Vereinigung der Deutschen Triathleten Ost und West vollzogen wurde!

 

 

Das Interview führte Carin Dennerlohr.

 

 

 

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