07.07.2011

Das große Jubiläumsrennen beginnt

Die internationale Auftakt-Pressekonferenz zum 10. Challenge Roth in der Kulturfabrik bildete am Donnerstagvormittag den traditionellen Startschuss für das große Triathlon-Festival, das dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Selbstredend stand der runde Challenge-Geburtstag dann auch im Mittelpunkt der Pressekonferenz, die mit dem fulminanten Jubiläums-Film (weiter unten auf der Startseite anschauen!) ausgesprochen emotional eingeleitet wurde – der passende Auftakt für den zehnten „Triathlon der Herzen“, der am kommenden Sonntag mit 3300 Einzelstartern und 614 Staffeln aus insgesamt 60 Nationen über die Bühnen von Stadt und Landkreis Roth gehen wird. Auch dies ein neuer Rother Rekord - einer von vielen.

Von einem anderen Uralt-Rekord mussten sich die Triathleten aus aller Welt zumindest vorübergehend verabschieden: Die in Roth 1997 aufgestellte Weltbestzeit des Belgiers Luc van Lierde mit 7:50:27 Stunden war vor wenigen Tagen in Klagenfurt nach 14 Jahren eingestellt worden, der neue Rekord liegt bei 7:45:18 Stunden. Für wie lange – das ist die große Frage, die sich in Roth dieser Tage stellt.

 

 

Sie alle werden am Sonntag vorne mit dabei sein: Die Top-Athleten, die beim 10. Challenge Roth am kommenden Sonntag um Bestzeiten und das Erreichen ihrer persönlichen Träume kämpfen.

 

Dass das Rennen am Sonntag auf jeden Fall extrem schnell werden wird, scheint ausgemachte Sache zu sein: Die mehr als 150.000 Zuschauer des Jubiläums-Wettkampfs erwartet das heißeste Duell des Jahres, in dem der deutsche Weltklasse-Triathlet Andreas Raelert, aktueller Vize-Weltmeister und Europameister, sich mit Sebastian „Sebi“ Kienle anlegen will. Kienle, der vor zwei Tagen in Roth seinen 27. Geburtstag feierte, hatte im Vorjahr bei seiner allerersten Langdistanz in Roth auf Anhieb den zweiten Platz errungen und mit seiner Fabelzeit von 7:59:06 Stunden auch gleich noch die magische Acht-Stunden-Marke unterboten. Ein Erfolg, der Andi Raelert noch fehlt: Seine persönliche Bestzeit liegt bei 8:03 Stunden. Doch für seinen ersten Start beim Challenge Roth hat sich der 35-jährige Weltklasse-Triathlet allerhand vorgenommen: „Ich konnte dieses Jahr einen perfekten Saisonstart hinlegen und bin absolut motiviert. Ich freue mich, endlich in Roth starten zu dürfen, und bin Felix wirklich dankbar, dass er mir einen Start im Jubiläumsjahr ermöglicht. Der Kurs ist sehr schnell und auch anspruchsvoll und die Herzlichkeit der Bevölkerung, die mir hier in Roth entgegen geschlagen ist, absolut phänomenal!“ Über seine Ambitionen für den Sonntag meint Raelert in seiner bekannten charmant-zurückhaltenden Art: „Die neue Weltbestzeit liegt jetzt ja bei 7:45:18 Stunden, aber das ist nichts weiter als die logische Konsequenz eines sich ständig weiterentwickelnden Sports. Ich denke, es sollte möglich sein, bei perfekten Wettkampfbedingungen am Sontag in die Nähe des Challenge-Rekords und auch der Weltbestzeit zu kommen.“

 

Sein „Duell-Partner“ Sebastian Kienle hat allen Respekt vor „Gegner“ Raelert: „Der Andreas als einer der besten Triathleten der Welt ist schon ziemlich übermächtig und eine große Herausforderung für mich. Da musste ich in der Wettkampfvorbereitung schon schauen, wo meine eigenen Vorteile liegen - ein paar habe ich auch tatsächlich gefunden“. Und verrät: „Ich kann mit Sicherheit nicht schneller laufen als Andi, daher muss ich ihn auf dem Rad packen“. Immerhin hält Kienle seit vorigem Jahr den Rother Radrekord. An seiner „Hazardeur-Taktik“ will der Knittlinger freilich nichts Grundlegendes ändern, denn „Was sollte der Sinn darin sein, wenn ich langsamer Rad fahren würde, als ich kann“. Auch Kienle ist von der neuen Weltbestzeit wenig beeindruckt: „Diese Zeit zu knacken, ist nicht mein oberstes Ziel. Es würde mir sehr viel besser gefallen, wenn ich Andreas Raelert schlagen könnte - dann wäre mir die Zeit scheißegal“.

 

 

Wird Andreas Raelert am Sonntag in Roth Triathlon-Geschichte schreiben? Noch wirkt der Rostocker vor seiner Premiere beim "Best Old Race" recht nachdenklich.

 

Sich nicht zu sehr auf das Duell zwischen Raelert und Kienle zu fokussieren, rät hingegen der südafrikanische Top-Athlet James Cunnama, der seinerseits eine Zeit von deutlich unter 8:30 Stunden anstrebt. In dieselbe Kerbe schlägt auch der Deutsche Clemens Coenen: „Die zwei müssen ganz schön aufpassen“, warnt er. „Bei so einem Duell kann es leicht einen lachenden Dritten geben“. Er selbst will seine persönliche Bestzeit weiter verbessern, sieht sich in der Lage zu einer 8:13. Da ist Raelert gerade mal zehn Minuten schneller. Coenens kleiner Radunfall, der ihm vor acht Wochen eine Handverletzung eintrug, ist auch schon wieder vergessen, er ist fit und verspürt schon jetzt „Motivation pur!“

 

Bis in die Haarspitzen motiviert ist auch die Rother „Triathlon-Queen“ Chrissie Wellington, die unbedingt den Hattrick schaffen will. „I’m here to win“, lässt sie keinen Zweifel an ihren Ambitionen, und setzt hinzu: „Ich will mit einem Lächeln gewinnen“. Das sei ihr erstes und wichtigstes Ziel. Und das zweite: „So schnell wie möglich gewinnen“. Die von ihren Fans „Muppet“ genannte Weltklasse-Athletin aus Großbritannien, die mit ihrem Rother Rekord von unglaublichen 8:19:13 Stunden im Vorjahr in Sphären vorgedrungen war, die bis dato noch den Männern vorbehalten schienen, lässt sich nicht in die Karten blicken, was die Möglichkeit einer dritten neuen Weltbestzeit in Folge angeht. Aber das war bei Chrissie schon immer so. Und eine weitere Weltsensation vielleicht unwahrscheinlich, aber für die beste Triathletin der Welt vielleicht trotzdem machbar – who knows.

 

 

Chrissie Wellington ist nicht nur die schnellste Triathletin der Welt, sondern auch die mit dem allerschönsten Lächeln.

 

Die Australierin Rebekah Keat, die neben vielen anderen Erfolgen erst kürzlich die Premiere des Challenge Cairns in Australien für sich entscheiden konnte und auch in Roth letztes Jahr als Zweitplatzierte hinter Chrissie finishte, will bei ihrem vierten Start beim Challenge Roth zwar alles geben, sieht aber keine echten Siegchancen für sich: „Chrissie ist einfach zu stark. Unter normalen Umständen kann ich schon froh sein, wenn ich 20 Minuten nach ihr ins Ziel komme“, stapelt sie vorsorglich tief. Schon letztes Jahr hatte sie in ihrem bekannt trockenen Humor nach Chrissies Welterfolg gesagt: „Sie sollte in der Männer-Konkurrenz starten“. Jetzt, bei der Pressekonferenz, knüpfte sie daran an. Nach Chrissies voraussichtlichem Abschneiden beim Jubiläums-Wettkampf gefragt, meinte sie nur lapidar: „Das müssen Sie mal die Männer fragen“ - und sorgte für einen Lacher. Mit im Frauenfeld ist auch wieder Belinda Granger, die seit faszinierenden 20 Jahren im Triathlonsport aktiv ist und mit ihren 40 Jahren „immer noch hungrig“ ist auf Roth, ihre zweite Heimat. Ihrem ersten Start in Roth sieht hingegen die junge Julia Wagner entgegen, deren bisherige Saison nach ihren eigenen Worten „einfach unglaublich“ verlaufen ist und die sich unheimlich auf die Stimmung in Roth freut. Beim Schwimmen will sie auf jeden Fall ganz vorne mit dabei sein – „und dann schauen, was geht“. Da wächst auf jeden Fall schon die neue Generation für Roth heran.

 


 

Dirk Aschmoneit kommt als "Dirkinator" zurück nach Roth und will's noch einmal wissen. Sofort avancierte der legendäre "Roth-Oldie" zum umschwärmten Medienstar.

 

Der Jubiläums-Wettkampf startet am kommenden Sonntag um 6.30 Uhr mit dem Schwimmwettbewerb in Heuberg, für das Rennen sind nahezu perfekte Wetterbedingungen mit Temperaturen um die 25 Grad vorausgesagt. Bis gegen 15 Uhr – dann sind die Besten der Besten längst im Ziel – soll es trocken bleiben, erst danach kann es zu einzelnen Gewittern kommen. Stadt und Landkreis Roth erwartet zum Jubiläum des Challenge Roth ein Triathlon-Festival der Extraklasse.

Fotos: Claudia Weing / Robert Gerner

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