08.11.2010

Challenge Roth: Jährlich mehr als neun Millionen Euro für die heimische Wirtschaft

ROTH. Der Challenge Roth ist als weltgrößter Triathlon-Event der Langdistanz längst auch ein überaus bedeutender Wirtschaftsfaktor für Stadt und Landkreis Roth. Die direkt aus dem Wettkampf generierte Wertschöpfung der ersten Umsatzstufe liegt bei rund neun Millionen Euro. Davon profitieren Hotellerie und Gastronomie enorm - ebenso wie der Einzelhandel.

Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt Friedemann Pachla, der an der Salzburg Management Business School (SMBS) derzeit ein Masterstudium in Projekt- und Prozessmanagement absolviert und für seine Masterarbeit (Masterthesis) die Umsetzung einer Sportveranstaltung am Beispiel des Challenge Roth untersucht hat. Dafür initiierte Pachla, selbst aktiver Triathlet und Kenner des Rother Events, vor und während des diesjährigen Challenge Roth eine Athletenumfrage, die nun ausgewertet ist. In einer Vorbefragung vom 11. Juni bis 5. Juli 2010 wurden 326 Teilnehmer, in der Hauptbefragung vom 18. bis 29. Juli 589 Teilnehmer des diesjährigen Wettkampfs interviewt.

Nach den Erkenntnissen der Vor- und der Hauptbefragung geben die Befragten während ihres Aufenthalts im Durchschnitt stolze 435 Euro aus. Davon entfallen 157 Euro auf Übernachtungen, weitere 105 Euro werden für Restaurant- und Cafébesuche sowie für Shopping ausgegeben. Auf der viertägigen Triathlon-Expo lässt jeder Teilnehmer im Durchschnitt 115 Euro für Sportbekleidung, Equipment und Accessoires. Dazu kommen noch 58 Euro für Verkehrsmittel, Mobilität und Freizeitgestaltung. Logischerweise steigen die Ausgaben der Athleten mit der Weite ihrer Anreise, da eine größere Entfernung vom Wohnort eine längere Aufenthaltsdauer mit sich bringt (im Durchschnitt liegt die Aufenthaltsdauer während des Challenge Roth bei 4,0 Übernachtungen). So geben Teilnehmer, die weniger als 50 Kilometer nach Roth anreisen (das sind 24 Prozent der Befragten), durchschnittlich 232 Euro vor Ort aus. Bei einer Anreise von mehr als 500 Kilometern (betrifft 19 Prozent der Befragten) sind dies dann bereits 646 Euro. Signifikant auch der Unterschied zwischen Einzel- und Staffelstartern: Einzelstarter kommen auf 488 Euro, während Staffelstarter (die zu einem höheren Prozentsatz aus weniger großer Entfernung anreisen) im Schnitt 266 Euro ausgeben. Zusammen mit den Startgeldern, die von jedem Teilnehmer bezahlt werden, entspricht allein dies schon einem Umsatz von rund vier Millionen Euro.

Eine weitere bedeutende Erkenntnis für die Berechnung der Gesamtwertschöpfung: Nur 15 Prozent der Teilnehmer kommen allein zum Wettkampf, dagegen reisen immerhin 50 Prozent mit einem weiteren Erwachsenen, 11 Prozent mit zwei und 10 Prozent mit drei zusätzlichen Personen nach Roth an. 22 Prozent haben ein oder sogar zwei Kinder dabei. So beträgt die Zahl der Übernachtungen der Athleten während der Wettkampftage 17.000, die Angehörigen verursachen zusätzliche 42.000 Übernachtungen. Lässt man die Aufenthaltskosten für die Familie mit in die eigenen Ausgaben einfließen, liegt der Durchschnitt je Teilnehmer bei 468 Euro. In Summe ergibt dies, hochgerechnet auf sämtliche Wettkampfteilnehmer, eine Wertschöpfung von rund sieben Millionen Euro.

Ein wichtiger Berechnungsfaktor sind auch die Trainingsaufenthalte der Athleten in Stadt und Landkreis Roth in der Vorbereitungsphase vor dem eigentlichen Wettkampf. Immerhin 34 Prozent der befragten Teilnehmer kommen schon im Vorfeld, um auf Originalstrecken zu trainieren und sich mit den Bedingungen vor Ort vertraut zu machen. Diese Besuche werden durchschnittlich mit einer Dauer von sage und schreibe 7,9 Tagen angegeben. Aus den Ausgaben für diese Trainingsaufenthalte vor dem Wettkampf, bei denen die Besucher im Schnitt sogar 650 Euro in Roth und seinem Umland lassen, ergeben sich weitere zwei Millionen Euro Umsatz.

Insgesamt werden also allein in der 1. Umsatzstufe mindestens neun Millionen Euro an Wertschöpfung durch den Challenge Roth für Stadt und Landkreis Roth generiert, wobei mehrere Faktoren noch gar nicht berücksichtigt sind. .Ein Beispiel sind die zum Wettkampf anreisenden Tagesgäste: Laut einer Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaft-lichen Instituts für Fremdenverkehrs an der Uni München (dwif) für das Fränkische Seenland gibt jeder Tagesgast bei seinem Besuch 16 Euro aus. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben in der Rechnung das Auftragsvolumen von TEAMChallenge für die heimische Wirtschaft, die Leistungen von Sponsoren und Medien und nicht zuletzt das daraus generierte Gewerbesteueraufkommen, so dass die tatsächliche Gesamtwertschöpfung aus dem Wettkampf wesentlich über dem genannten Betrag von neun Millionen Euro liegt.

Aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Bildung und Kaufkraft sind Triathleten – so eine weitere Erkenntnis aus Pachlas Masterthesis – übrigens eine ausgesprochen interessante Zielgruppe. So haben insgesamt 71 Prozent der Athleten (!) Abitur oder gar einen Hochschulabschluss. Und 43 Prozent verfügen über ein monatliches Haushalts-Nettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro.
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