15.07.2010

Chrissie, Michi und Co. kämpfen um die Krone des Triathlonsports

Die internationale Auftakt-Pressekonferenz des 9. Challenge Roth in der Kulturfabrik bildete am Donnerstag Vormittag den Startschuss für das große Triathlon-Festival, das den gesamten Landkreis Roth ab jetzt vier Tage lang in Atem hält. Dabei gibt es diesmal eine ganze Reihe von Neuerungen und Verbesserungen beim Best Old Race, die Veranstalter Felix Walchshöfer verkündete, wie zum Beispiel die aus Anlass des 950. Stadtjubiläums geänderte Laufstrecke mitten durch die Rother Innenstadt. Eine Riesen-Erleichterung für die Starter ist vor allem auch der um zwanzig Minuten auf 6.00 Uhr vorverlegte Schwimmstart. Dadurch wird Raum geschaffen für 18 statt bisher 12 Startgruppen, keine davon wird stärker als 200 Athleten sein. Das sorgt für einen faireren und entspannteren Wettkampf, Drafting wird so wirkungsvoll ein Riegel vorgeschoben. Für Aufatmen bei den Triathleten sorgte auch die am Donnerstag endgültig getroffene Entscheidung, dass trotz der extremen Temperaturen der letzten Tage im Neoprenanzug geschwommen werden kann. Aufgrund der ständigen Wasserbewegung im Kanal und der Gewitter am Montag liegt die Wassertemperatur mit aktuell 22,8 Grad deutlich unterhalb der Grenze von 24 Grad und wird auch nicht mehr steigen. Für den Renntag ist mit prognostizierten 25 Grad Lufttemperatur, wenig Wind und ohne Regen optimales Wettkampftag vorausgesagt. Und schon spricht alles von Weltrekordwetter…

Der Focus bei der großen Pre Race-Pressekonferenz lag natürlich in erster Linie auf den Aussagen der Top-Athleten. Weltmeisterin, Vorjahressiegerin und Rekordhalterin Chrissie Wellington (die von der britischen Königin jüngst mit dem Titel „Member oft he British Empire“geehrt wurde und nun sogar mit der Queen Tee trinken darf) hält am Sonntag alles für möglich. „Mein vorrangiges Ziel ist es allerdings erst mal, den Wettkampf zu gewinnen“, stellte die schnellste Frau der Welt klar. „In zweiter Linie will ich das Rennen genießen, und dann erst kommt die Frage nach einer neuen Weltbestzeit“, stapelte Wellington tief, setzte dann aber hinzu: „Natürlich kann ich meinen eigenen Rekord brechen, kann noch schneller sein als 2009“. Zur Unterstützung hat sich die Weltklasse-Athletin die gesamte Familie und einen Teil ihres Fanclubs aus Großbritannien mitgebracht – 20 Leute aus der Heimat werden Chrissie am Sonntag anfeuern.



Chrissie - perfekt platziert. (Alle Fotos: Claudia Weinig/Robert Gerner)

Ihre schärfste Konkurrentin dürfte wohl diesmal die in der aktuellen Saison überragende Rebeka Keat sein, die mit einem neuen, smarten Schwimmanzug auch gleich auf die Radstrecke geht, sich damit wertvolle Wechselzeit sparen kann. „Roth ist mein Lieblingsrennen, und ich werde schon deshalb alles geben, um Belinda ein paar ihrer Rother Fans abspenstig zu machen“, scherzte die blonde Australierin mit Blick auf ihre Landsfrau, den ewigen Rother Publikumsliebling Belinda Granger. Die konterte schlagfertig: „Dies ist mein siebter Start in Roth, die zehn will ich trotz meines Alters schon noch voll machen“. Wie immer freut sich die (noch) 39-Jährige unheimlich auf den Wettkampf in ihrer zweiten Heimat und wird - diesmal ohne Radunfall – sicher noch einmal ganz vorne mitmischen. Ebenso heiß auf den Start ist die Tschechin Tereza Macel, der Viele eine große Triathlon-Karriere voraussagen. Als Roth-Neuling zeigte sich Macel begeistert über den Empfang in Roth: „Das ist ein Gefühl wie bei der Tour de France“. Nicht zuletzt ist auch die junge Deutsche Nicole Woysch eine gHoffnung auf einen Platz unter den Top Ten. Die Vielstarterin, die erst Ende Mai als Dritte beim IM Lanzarote gefinisht hat, fühlt sich schon wieder fit genug für den großen Tag in Roth, will ihre persönliche Bestzeit von 9:22 Stunden unbedingt verbessern und die Deutsche Meisterschaft holen.

Bei den Männern galt die Aufmerksamkeit vor allem Titelverteidiger und Herausforderer Michael „Michi“ Göhner, der überhaupt kein Problem mit seiner Favoritenrolle hat. Der gebürtige Reutlinger, der seinen Challenge-Sieg 2009 in der Fabelzeit von 7:55:53 Stunden einfuhr und diesen Sieg als „absolutes Highlight meiner bisherigen Karriere“ bezeichnet, glaubt mit Zuversicht an eine Wiederholung seines Erfolgs, „um nächstes Jahr wieder als Champion anzutreten“. Dass dies möglich ist, davon ist er überzeugt: „In Erding war ich ungefähr gleichauf mit Andreas Raelert, dem Gewinner des IM Frankfurt, daran lässt sich meine Stärke gut messen. Und die schönen Erinnerungen an Roth 2009 motivieren mich ungeheuer“.

Michi Göhner: Keine Angst vor der Favoritenrolle

„Norminator“ Normann Stadler, der letztes Jahr als haushoher Favorit „nur“ Vierter wurde, bäckt auf die Frage nach einem neuen Weltrekord kleine Brötchen: „Ich sehe mich nicht in der Lage, den Uralt-Rekord von Luc van Lierde mit 7:50:27 Stunden zu brechen. Mir geht es einfach darum, meine Leistung abzurufen und ganz nach vorne zu kommen, da ist die Zeit egal“. Schon 2009 mit einer Wahnsinns-Radzeit von 4:14 knapp unter Allzeitrekord, versucht Stadler beim Radfahren noch mehr Boden gut zu machen. Dabei hilft ihm ein nagelneues HighTech-Plasmafahrrad, das für die Tour de France entwickelt wurde. Für den Hawaii-Gewinner dürfte in Roth diesmal – endlich – alles möglich sein.

Auch für den Australier Pete Jacobs? Nach einem dritten Platz 2007 und zwei zweiten 2008 und 2009 wäre jetzt der Sieg fällig. „Ich werde es weiter versuchen“, verspricht der sympathische Aussie, der sich zwar erst im März das Schlüsselbein gebrochen hat, sich aber wieder fit fühlt. Zusatz-Motivation gibt ihm die für November geplante Hochzeit mit seiner Freundin Jamie: „Ich muss doch das Geld für die Hochzeit reinholen“.

„Aufgeregter als bei meinem allerersten Triathlon“ ist die neue deutsche Hoffnung Sebastian Kienle vor seiner Roth-Premiere, die gleichzeit auch seine erste Langdistanz sein wird. Er wird, wie er sagt, seine Emotionen zurücknehmen und den Wettkampf überlegt angehen müssen, um ganz vorne zu finishen. Überaus ambitioniert ist auch der Däne Rasmus Henning bei seinem ebenfalls ersten Start in Roth. „Ich kann hart kämpfen“ kündigt Henning an, der sich unheimlich freut, endlich einmal in Roth dabei zu sein. Seine Kämpfernatur hat er auf Hawaii eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Dort konnte er mit gebrochener Hand (!) Fünfter werden. Und dann gibt es auch noch den Spanier Eneko Llanos. Der baskische Ausnahme-Athlet will in Roth unbedingt unter acht Stunden finishen, und nach seiner bisherigen erfolgreichen Wettkampfsaison (unter anderem Sieg in Lanzarote) ist ihm das auch zuzutrauen. Es wird spannend am Sonntag in Roth!

Triathlonwelt feiert „30 Jahre Triathlon in Roth“ »