Tipps für Neulinge

Hier kommen einige Tipps für Roth - Neulinge aus unserem Forum:

 

 

 

1. Nervosität vor dem Start

 

 

 

 

ist in Roth wirklich überflüssig. Die morgendliche Anfahrt mit dem PKW verläuft auf einsamen Landstraßen völlig problemlos, Parkplätze direkt am Schwimmstart gibt es in Hülle und Fülle, Toiletten gibt es sehr viele direkt neben der Wechselzone. Das sind perfekte Bedingungen, die einen entspannten Tagesbeginn leicht machen. Die ersten Stunden des Rennens sollten auch ambitionierte Rookies wirklich locker nehmen. Pflicht für Ersttäter: Unbedingt den Schwimmstart der ersten Startgruppe ansehen! Die Stimmung dort ist einfach grandios und ein Höhepunkt in unserem Sport.

 

 

 

 
     

2. Auf der Radstrecke

   

 

ist zunächst Zurückhaltung angesagt. Auf dem Rad zu schnell loszulegen, ist der häufigste Fehler auf der Langstrecke überhaupt. Speziell Roth mit seinen vielen tausend Zuschauern am Schwimmausstieg und den ersten Metern der Radstrecke verleitet ganz besonders dazu, zu schnell zu fahren. In den kleinen Pulks, die auf den ersten Kilometern noch beisammen sind, ist häufig viel zu viel Rennfieber. Haltet Euch raus, fahrt locker hinterher und beschäftigt Euch während der ersten Radstunde vor allem mit Essen und Trinken. Seid locker im Kopf! Mentale Kraft wird später noch sehr stark benötigt, also seid entspannt und radelt zunächst wie im Training.

 

Der Solarer Berg

ist der größte Katapult der Welt. Den Ritt durch dieses Kanonenrohr muss man einfach erlebt haben. Es gibt auf der ganzen Welt nichts Vergleichbareres. Also genießt es, denn man ist schneller oben, als man möchte. Das treibt auch den Puls nach oben, doch man sollte es nicht übertreiben. Fahrt am besten locker, die Hände am Basislenker, und schaut Euch die Szene an. Noch bevor Ihr oben angekommen seid, wird es wieder still und anstrengend.

 

Der Kalvarienberg

ist der schwierigste Berg der Radstrecke. Er besteht aus einer recht steilen Rampe und mehreren (ich meine: fünf) weiteren Aufschwüngen danach. Bei Gegenwind sind diese kleinen Wellen das eigentlich Schwierige, denn es zieht sich recht lang und man meint, nicht vorwärts zu kommen. Hier heißt es: cool bleiben! Bleibt um jeden Preis bei den vorher festgelegten Pulswerten. Nutzt den Anstieg für Euren Rücken, setzt Euch aufrecht und fahrt hin und wieder ein paar Umdrehungen im Wiegetritt. Die Verpflegungstelle in der Mitte ist sehr wichtig, nehmt soviel ihr könnt. Denn nach dem Kalvarienberg hat man in der Abfahrt eine kurze Verdauungspause. Danach kommt ein langes Flachstück. Wer hier gute Beine hat (und Zucker im Blut), wird Zeit gut machen.

 

 

 

 

     

3. Auf der Laufstrecke

   

 

beginnt der Rausch. Wahre Massen an Zuschauern feuern Euch an, es geht leicht bergab und entsprechend zügig voran.
Dann wird es still, und die erste Steigung holt Euch zurück in die Realität. Hier ist der eigentliche Beginn der Laufstrecke. Lauft langsam und dosiert das Tempo sehr vorsichtig. Bis zur Lände, dem großen Knotenpunkt der Laufstrecke, solltet Ihr
in wirklich komfortablem Tempo laufen und Eure Laufbeine allmählich finden. Danach, am Kanal, sollte eine ruhige, positive Stimmung in den Kopf. Hütet Euch in diesem Abschnitt vor heroischen Gefühlen! Dafür ist es viel zu früh, und die Wahrscheinlichkeit zu überzocken ist in dieser Stimmungslage bei geschätzten 100 Prozent.

 

In Schwanstetten

ist die Hölle los. Wer bis hierher gelesen hat, wird die folgenden Tipps erraten: Erstens: Das Erlebnis voll mitnehmen, also Augen und Ohren auf. Zweitens: Tempomäßig Ruhe bewahren, was keineswegs einfach ist. Auf dem Rückweg zum Kanal geht es zunächst leicht, dann stark bergauf; macht hier ebenfalls langsam und spart Körner, soviel es nur irgend geht. Denn Ihr nähert Euch stetig dem Punkt, an dem das Rennen beginnt.

 

Die langen Geraden

sind Fluch und Segen zugleich. Denn einerseits vermitteln sie dem Wettkämpfer das Gefühl endloser Weiten, was durchaus deprimierend sein kann. Seid darauf vorbereitet. Andererseits können diese stilleren Abschnitte Ruhe in den Kopf bringen. Seid locker und ruhig. Konzentriert Euch auf die nächsten Schritte und auf die kommende Verpflegungsstelle. Der innere Kosmos hat also eine Länge von maximal zwei Kilometern und eine Breite von zwei Metern. Was jenseits liegt, existiert nicht. Tipp: Kilometer rückwärts zählen hilft bei der Gestaltung des Tempos.

 

Der zweite Wendepunkt

macht keinem Spaß und ist hart für alle. Hier ist Schluss mit lustig. Der Weg zurück zum Kanal ist beinharte Arbeit und eine echte Schinderei, denn man ist platt und die leichte Steigung ist sehr schwer zu bewältigen. Ganz wichtig: Auf jeden Fall alle Verpflegungsstellen nutzen, zur Not kurz anhalten.

 

       
       

4. Im Ziel und das wirkliche Ziel

 

 

 

 

Das Ziel

stellt Ihr Euch bei der Lände vor. Tut im Geiste so, als wäre dort das Ziel. Wenn Ihr dort seid, habt Ihr es so gut wie geschafft. Denn ab dort geht es bergab, Schatten lindert die Qual, und Ihr habt den Kanal geschafft. Ab hier ist man ein Held.

 

Das wirkliche Ziel

ist dann ein Ort großen Glücks, aber im ersten Moment überwiegt schlicht Erleichterung, dass es endlich vorbei ist. Der Zielstrich hat hunderte gestandene Männer Rotz und Wasser heulen sehen, und dafür gibt es einen Grund: Die letzten
10 bis 20 Kilometer sind knallhart und verlangen das Letzte von Euch. Hut ab vor jedem, der es geschafft hat! Emotionaler Höhepunkt ist für viele die Party zum Ende des Rennens. Beim Feuerwerk blickt man in feuchte Augen ringsum. Worte wären hier fehl am Platz. Finisht um jeden Preis (außer Gesundheit).

Autor: Arne Dyke