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Phönix aus der Asche kreist über Franken: In Roth findet das weltgrößte Triathlon-Spektakel statt
Wenn es in der bunten Welt des Ausdauersports um die Auferstehung einer von vielen Seiten abgeschriebenen Marke geht, ist ein Vergleich der alten Drahtzieherstadt Roth bei Nürnberg mit seiner Triathlon-Tradition und dem berühmten Phönix aus der Asche nicht einmal weit hergeholt. Das Beispiel aus der ägyptischen Mythologie hat mit dem Aufstieg des Ironman Europe 1988 zu tun, der in der Folge bis zum Jahr 2001 die größten Starterfelder der Langdistanz und alle internationalen Stars der Szene sah.
Innerhalb weniger Jahre kamen die Rekordmeldungen aus dem Triathlon- bereich nicht mehr aus Hawaii, sondern aus Franken. 14 Jahre lang galt Roth unter der Leitung von Detlef Kühnel als die europäische Triathlon- Hochburg, bis der damalige Präsident der World Triathlon Corporation (WTC), Lew Friedland, stellte in den routinemäßigen Vertragsverhandlungen zur Verlängerung der Lizenz derartige Forderungen stellte, dass Kühnel eine weitere Zusammenarbeit mit den Amerikanern ablehnte.
Kühnels Nachfolger, Herbert Walchshöfer, langjähriger Weggefährte und seit jeher Öffentlichkeitsarbeiter für den Ironman Europe, versicherte sich zunächst der engen Mitarbeit von Stadt und Landkreis Roth. Eine Art Trotz- reaktion durchzog die Region, die sich mit dem neuen Austragungsort Frankfurt starker Konkurrenz gegenüber sah und tatsächlich im ersten Veranstaltungsjahr rund 25 Prozent seiner Starterzahlen verlor. Durch die Einbeziehung von Staffeln gelang es den Rothern allerdings, dass sich das Bild zumindest optisch nicht veränderte. Unter der neuen Marke "Quelle Challenge Roth" konnten nicht nur alte Sponsoren gehalten werden, sondern auch neue - vor allem aus der Metropolregion Nürnberg - zu gewinnen, beispielsweise N-Ergie und die Sparkasse Mittelfranken-Süd. Schon im zweiten Quelle Challenge-Jahr 2003 präsentierte sich Roth wie in alten Zeiten, als das "Jahrhundertfinish" zwischen Lothar Leder und Chris McCormack im Sekunden- abstand über die Bühne und damit weltweit über die Bildschirme ging. Die Teilnehmerzahlen tendierten in diesem Jahr und 2004, übrigens mit Faris Al- Sultan und Chris McCormack unter acht Stunden, schon wieder in Richtung 2.000 Aktive. Ein Jahr später, am 3. Juli 2005 waren bereits 2.200 Einzel- startern aus 44 Ländern registriert, damit waren wieder alte Ironman-Zeiten erreicht, zumal der Sieger Chris McCormack wiederum unter acht Stunden blieb.
Die Mixtur aus Spitzen- und Breitensport, das Angebot aus Sportevent und Familienveranstaltung, gepaart mit der großen Triathlon-Tradition, formten letztlich die neue Marke, die gegen die allgegenwärtige Übermacht der WTC- Triathlons wie ein "gallisches Dorf" in Franken stand. Athleten, Zuschauer, Helfer und Sponsoren - allen voran Quelle und Deutsche Post - und nicht zuletzt die veranstaltende TEAMChallenge GmbH erkannten rasch, dass mit der Rückgabe der Lizenz und dem legendären Namen nicht der Triathlon-Mythos von Roth verloren ging. Roth war längst selbst zum Mythos inmitten unzähliger und oft gleichförmiger Konkurrenz geworden.
Kenner der Szene meinen inzwischen, dass der Rückzug aus dem Ironman- Geschehen überhaupt die Voraussetzung für den erfolgreichen Start des Triathlon-Phönix in Roth war. Über die Asche des Phönix spricht dort allerdings keiner mehr.
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